Green Print aus Lauterbach spart 12 Prozent CO2 ein

Im ersten Lockdown musste auch die JD Druck GmbH Kurzarbeit anmelden. Geschäftsführer Jörg Göttlicher (siehe Bild unten) aber arbeitete weiter. Statt die Großkunden tegut, Coca Cola und zahlreiche hessische Mittelständler zu beraten, plante er trotz Krise die Zukunft. Das 125 Jahre alte Unternehmen für Akzidenzdruck, also Werbe- und Geschäftsdrucksachen, hatte Kriege und Wirtschaftskrisen überstanden und würde auch Corona bewältigen. „Unsere Kunden legen wie wir immer größeren Wert auf Nachhaltigkeit. Green Print ist ein Wettbewerbsvorteil“, weiß Jörg Göttlicher aus seinen aktuellen Kundengesprächen. Seit 2013 speist eine Photovoltaikanlage (PVA) auf dem Hallendach der Druckerei ihren Strom ins Netz ein. Er druckt auf Kundenwunsch auf zertifiziertem Recycling-Papier. Der Fuhrpark ist bereits teilweise auf Elektrofahrzeuge umgestellt. Nach Corona möchte er seine Produktion nachhaltig und vielleicht sogar klimaneutral aufstellen. 

Nachhaltige Produktion mit PIUS-Zuschuss

Ideen dazu hatte der Unternehmer gesammelt. Das Hallendach war bereits für eine weitere PVA vorgerüstet. Er und sein Leitungsteam hatten sich mit einem durchgängig digitalen Produktionsablauf beschäftigt. Auch mit seinem Druckmaschinenhersteller Heidelberg hatte er gesprochen. Für die Digitalisierung und die deutliche Ressourcenreduktion wäre eine neue Druckmaschine die Voraussetzung. Kosten: über zwei Millionen Euro. „Mir war klar, dass ich eine solche Investition nur mit staatlicher Unterstützung auf die Beine stellen könnte“. Nach einer Impulsberatung durch die Hessische Initiative für Energieberatung im Mittelstand (HIEM) bei der RKW Hessen GmbH übernahm Energieberater Marcus Nickel vom B/3/E Energiebüro. Zusammen mit Jörg Göttlicher berechnete er im Rahmen einer geförderten PIUS-Beratung die geplanten Maßnahmen. PIUS steht für „Produktionsintegrierter Umweltschutz“ und ist ein Förderprogramm in Hessen. Abhängig von dem eingesparten CO2-Volumen erhalten Unternehmen bis zu 30 Prozent ihrer Investionskosten als nicht rückzahlbaren Zuschuss, maximal 500.000 Euro. 

Druckmaschine braucht 47 Prozent weniger Strom

Natürlich setzte die JD Druck GmbH schon lange Computer ein. Aber die Prozesse von Druckauftrag bis Auslieferung organisierte das Unternehmen analog über eine physische „Auftragstasche“ mit auf Papier gedruckten Daten. Die Mitarbeitenden an den anschließenden Stationen mussten immer wieder die gleichen Daten in ihre Systeme eingeben: Druckvorstufe mit Druckformen, Einrichtung Druckmaschine, Farbkorrektur, Andruck, Freigabe durch Kunden, Druckherstellung, Lager, Auslieferung. „So viele Medienbrüche sind fehleranfällig, verursachen Makulatur und damit Aluminiumverbrauch für Druckplatten, Farbe, Reinigungsmittel, Wasser und Abwasser. Die Rückmeldung an vor- und nachgelagerte Prozesse war so nicht möglich, die Kunden nicht effektiv eingebunden“, skizziert Jörg Göttlicher die bisher branchenüblichen Verfahren. Das neue Herzstück, die „Heidelberg“ aus der Speedmaster-XL106er-Baureihe, wird künftig in eine durchgängig digitale Prozesskette eingebunden. Sie braucht 47 Prozent weniger Strom, wurde klimaneutral produziert. Der Hersteller gibt an, dass bei der Produktion der Druckmaschine alleine schon 244 Tonnen CO2 eingespart werden. 

Digitale Workflows senken Verbrauchsmaterialien

Eine Produktionsplanungssoftware (PPS) ermittelt künftig dank Künstlicher Intelligenz (KI) bereits bei der Auftragseingabe die speziellen Kundenanforderungen aus früheren Aufträgen. So werden Farbvoreinstellungen des Kunden, seine Formate und Grammaturen sowie die Beschaffenheit seines Papiers automatisch im neuen Druckauftrag angelegt. Alle Daten fließen anschließend über spezielle Schnittstellen in die Maschinen, wo sie direkt verarbeitet werden. „Früher brauchten wir 250 Bogen Papier für den Andruck, bis alle Parameter passten. Heute sind es nur noch 50 bis 60“, beschreibt der Drucker die Vorteile der neuen Prozesse. Das spart zehn Prozent beim Papier, 66 Prozent beim Chemikalieneinsatz sowie jeweils rund fünf Prozent bei Druckplatten, Farben, Wasser- und Abwasser. Zusätzlich senkt das Unternehmen durch die Erweiterung der bestehenden Wärmerückgewinnung aus den Druckmaschinen den Erdgasbedarf um rund 20 Prozent.

Photovoltaikanlage zum Eigenverbrauch

Das I-Tüpfelchen ist die Erweiterung der PVA. Die modernen PV-Module arbeiten hocheffektiv und benötigen weniger Fläche als die bisherige PV-Installation. In der Spitze produzieren sie bis zu 150 Kilowattstunden. Den Strom verbraucht das Unternehmen selbst und kann damit bei gutem Wetter voraussichtlich seinen kompletten Bedarf decken. Das wäre dann eine klimaneutrale Produktion: Green Print.

Höchstförderung für neue Offset-Druckmaschine und PVA

Insgesamt reduziert Jörg Göttlicher seine CO2-Emissionen um rund 540 Tonnen und damit um zwölf Prozent pro Jahr. Damit erspart er sich zudem ab 2023 jährlich rund 20.000 bis 30.000 Euro bei der CO2-Steuer. Dafür investiert er rund 2,2 Millionen Euro, für die er aus dem Förderprogramm PIUS-Invest die Höchstfördersumme von 500.000 Euro erhält. Das Fremdkapital finanziert ihm die Süd Leasing über einen klimaneutralen Leasingvertrag. Der Dienstleister rechnet die beim Betrieb der Maschine anfallenden CO2-Emissionen in Euro um und investiert sie in anerkannte Klimaschutzprojekte. „Mit diesem Gesamtpaket können wir künftig zum größten Teil wirklich klimaneutral drucken und unseren Anspruch ‚Green Print‘ einlösen“, freut sich Jörg Göttlicher. 

Laden Sie sich das PDF-Dokument mit dem Praxisbeispiel Druckerei JD Druck GmbH herunter und lesen, wie das Unternehmen seine CO2-Emissionen reduziert. 

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